Unsere neuntägige Balkanreise führte uns durch Tirana und einige der ursprünglichsten und beeindruckendsten Gebirgslandschaften Südosteuropas. Ziel der Tour war die Besteigung der höchsten Gipfel Albaniens, des Kosovos und Montenegros sowie das Kennenlernen der landschaftlichen und kulturellen Besonderheiten dieser Region.
1. Tag:
Nach der Anreise per Flugzeug und einem sehr lauten Hupkonzert in der Tiefgarage des Flughafens erkundeten wir am ersten Tag bei sengender Hitze Tirana. Wir besuchten nach einem üppigen „Börek-Mittagessen“ besuchten wir im Herzen der Stadt den Skanderbeg-Platz, die Moschee Xhamia e Et’hem Beut, den Uhrturm und ein Museum in einem alten Bunker (Bunk`Art2). Im Anschluss ging es weiter zur Pyramide von Tirana (ehemaliges Hoxha-Museum, heute Kultur- und Freizeitzentrum) und zum großen Stadtpark, der sich hervorragend für eine ausgiebige Pause eignete. In diversen Lokalen ließen wir den Tag ausklingen.
2. Tag:
Am nächsten Tag holten wir am Flughafen zwei Nachzügler und unseren Guide Endrit ab, bevor die Fahrt in den Nordosten Albaniens begann. Nach einer teilweise sehr holprigen und kurvigen Fahrt erreichten wir inmitten des Mirdita-Hochlands unser erstes Guest House im Ort Radomire.
3. Tag:
Hier begann am nächsten Morgen mit der Besteigung des Korab (2.764 m), des höchsten Berges Albaniens und Nordmazedoniens, der alpine Teil der Reise. Im Aufstieg trafen wir kaum auf andere Wanderer, dafür auf viele Kühe. Am Gipfel angekommen, gab es Brotzeit und natürlich ein Stamperl Schnaps von Werner. Im Abstieg gönnten wir uns eine ausgiebige Pause im Gras, bevor wir nach Radomire abstiegen und mit dem Bus entlang der Drin Richtung Kosovo fahren. Dort angekommen quartieren wir uns in einem Hotel im Städtchen Gjakova ein, besuchten nach dem Abendessen die große Veranstaltung „Tag der Albaner“ in der Stadt und lernen die albanische Band Elita5 kennen und lieben.
4. Tag:
An diesem Tag brachte uns der Fahrer über eine teilweise noch unfertige Straße in das Bergdorf Gropa e Erenikut. Hier begann der Aufstieg zum Berg Gjeravica (2.656 m). Bei unbeschreiblicher Hitze wanderten wir durch das Bergdorf und passierten mehrere wunderschöne Bergseen. Kurz vor dem Gipfel trafen wir zu unserer großen Überraschung noch auf einen lustigen Schotten im klassischen Schottenrock. Das war das Letzte, was wir hier erwartet hatten. Nach dem Gipfelbesuch wagten sich die ersten Hartgesottenen zum Schwimmen in einen Bergsee, bevor wir teilweise etwas weglos zu unserer Unterkunft abstiegen. Das Guest House Tofaj liegt in einem kleinen Bergdorf, dass nur zu Fuß oder per Jeep erreichbar ist. Allerdings können die Jeeps auch nur dann fahren, wenn die Bäche nicht zu viel Wasser führen, denn Brücken gibt es nicht. Es ist das einzige Gästehaus im Dorf, das relativ neu aufgebaut ist, nachdem es im Krieg niedergebrannt wurde. Die Besitzer des Familienbetriebes empfangen uns herzlich. Sie leben dort im Sommer mit drei Generationen und kümmern sich um ihre Gäste und Tiere. Wir werden hervorragend und sehr reichlich bekocht. Die Zimmer und Bäder (inkl. Warmwasser) sind neu. Der Familienhund wurde bald angebunden, nachdem er die Socken und Schuhe von Eva stibitzt und etwas angeknabbert hatte. Der Großvater der Familie erzählt, dass er als Kind in diesem Dorf aufgewachsen ist. Er hütete die Tiere, pflückte Blaubeeren und brachte sich mit einer Gehzeit von 6 Stunden in die Stadt zum Verkaufen. In den 70er Jahren hat er für zwei Jahre bei MAN in München gearbeitet und unterstützte später als Koch im Krieg.
5. Tag:
Nach einem sehr guten Frühstück mit frisch gebackenem Brot starteten wir Richtung Dreiländereck von Kosovo, Albanien und Montenegro. Unterwegs kamen wir durch ein kleines Dorf mit Pistenraupe, was wieder eine Überraschung darstellte. Auf dem Weiterweg trafen wir auf ein Denkmal für einen gefallen jungen Soldaten, der aus Albanien Waffen für den Krieg in den Kosovo bringen wollte. Kaum vorstellbar, was an diesem schönen und ruhigen Ort vor nicht allzu langer Zeit passiert ist. Im weiteren Verlauf kamen wir bald auf den bekannten und beliebten „Peaks of the Balkan Trail“. Hier waren schon deutlich mehr – insbesondere sehr junge – Wanderer anzutreffen. Wir wanderten zum Dreiländereck und im Anschluss auf den unweiten Panoramagipfel Trekufiri. Da dieser mit keinem Gipfelkreuz oder ähnlichem ausgestattet ist, ließen es sich die Reiseteilnehmer nicht nehmen und errichteten in einer Gemeinschaftsaktion ein mittelgroßes Steinmännchen, dass dem Gipfel hoffentlich lange erhalten bleibt. Dann stiegen wir zum Hrid See ab und nahmen alle ein erfrischendes Bad, bevor wir nach einer kurzen Rast bei Samel´s Cottage von unserem nächsten Gastgeber Enko in seinem abenteuerlichen Bus zum Gästehaus in Montenegro gefahren wurden. Der schöne Wiesenblumenstrauß, den Sonja an diesem Tag zum Geburtstag bekam, war natürlich mit auf Tour und blieb dann an einem schönen Platz am See. Nach dem Abendessen gab es für Sonja noch eine Geburtstagstorte mit Wunderkerzen, die Endrit extra organisiert hatte. Das Bier musste im Nachbargästehaus geholt werden, da Enko keinen Alkohol verkauft. Dennoch schenkte er Sonja eine Flasche Wein, als er von ihrem Geburtstag erfuhr.
6. Tag:
Ein besonderes Erlebnis war die Fahrt mit dem Hünen Enko zu unserem nächsten Ausgangspunkt. Er brachte uns mit seinem alten Bus in rasantem Tempo auf nur schwer befahrbaren „Straßen“ gefühlt fast bis zum Gipfel der geplanten Tagestour. Nach einem kurzen Applaus stiegen wir nach dem Stopp aus dem Bus und begannen unsere Tagestour im kühlen Wald. An einer Schäferhütte machten wir Rast und gönnten uns frischen Kaffee und Joghurt aus Schafsmilch. Über einen steilen Anstieg erreichten wir in der Hitze die Gipfel Bori und Bora. Im Abstieg machten wir eine weitere Pause und genossen unsere nach dem Rezept von Gerhard selbstgebauten Balkanburger. Die Übernachtung in der traditionellen albanischen Hirtenhütte „Colate view“, die einen authentischen Einblick in das einfache Leben der Bergbevölkerung ermöglichte, war ein besonderes Highlight der Reise. Unsere Reisetaschen wurden auf Pferden geliefert und so konnten wir nach einer warmen Dusche das Essen in einem Freisitz genießen und uns mit der Tochter auf Englisch unterhalten.
7. Tag:
Am Morgen ließen wir noch etwas Schulgeld für den Sohn da, verabschiedeten uns von unserer Gastgeberfamilie und machen uns wieder Richtung Montenegro auf. Der alpin anspruchsvollste Tourentag war die Besteigung der Zla Kolata (2.534 m), des höchsten Gipfels Montenegros. Die abwechslungsreiche Route sowie die beeindruckenden Ausblicke auf die umliegenden Gipfel machten diesen Tag zu einem besonderen Höhepunkt der Reise. Aufgrund eines aufziehenden Gewitters konnten wir die zweit weiteren Gipfel der Kolata nicht mehr besteigen und mussten den Rückzug antreten. Kaum hatten wir den Persllopit-Pass wieder erreicht, ging das Gewitter mit Regen, Blitz, Donner und Graupel los. Zu unserem großen Glück war es nur ein kurzes „Schauspiel“, sodass wir die lästige Regenbekleidung bald wieder ausziehen konnten. Wir ließen das Karstgelände hinter uns und stiegen in das schöne Valbonatal ab. Im Gästhaus Bujtina Rosi verbringen wir die nächste Nacht.
8. Tag.
Wir werden vom Krähen der vielen Hähne geweckt und packen schnell unsere Sachen. Das Frühstück mussten wir einpacken und mitnehmen, da wir die Fähre am Komansee nicht verpassen dürfen. Mit einem weiteren alten Mercedes-Bus „hüpfen“ wir über die schlechten Wege und durch ein trockenes Bachbett, bis wir endlich wieder Asphalt unter den Reifen haben. Wir stiegen schnell in ein jüngeres Gefährt um und fahren zum Hafen. Die spektakuläre und mehrstündige Fährfahrt über den fjordähnlichen Koman-Stausee zurück nach Tirana ist der perfekte Abschluss für unsere Wanderreise. Wir legten in einem winzigen Hafen an, der nur über einen einspurigen Tunnel erreichbar ist und fuhren zum Restaurant Mrizi i Zanave, das nur eigene bzw. Produkte aus der Region verarbeitet. Wieder wurden wir erstklassig bewirtet. Unser Geburtstagskind Eva erhielt im Anschluss eine leckere Carameltorte, die natürlich auch noch gegessen wurde. Zumindest zum Teil und dann ging es in den Weinkeller. Nach der Wein- und Rakiprobe war die Stimmung sehr gelöst. Unser Guide gestand uns sogar, dass er die Führung unserer Gruppe ursprünglich abgelehnt hatte, jetzt aber sehr froh ist, dass er seine Meinung geändert hat und andere Gruppenmitglieder fanden sich später in Fahrzeugen des Kinderspielplatzes wieder. Als alle wieder im Bus saßen, ging es weiter nach Tirana, wo uns Endrit noch kurz durch die Stadt führte, bevor wir uns an das Abschiedsessen machten. Auch hierzu gab es reichlich Wein, der von unserem Geburtstagkind gestiftet wurde.
9. Tag:
Am letzten Tag zog es einige Teilnehmer noch in ein Museum, andere spazierte nochmal durch die Stadt. Aufgrund der anhaltenden Demonstrationen der Bevölkerung gegen die albanische Regierung bestellten wir unsere Taxis zum Flughafen sehr zeitig. Da sich der Abflug Richtung Wien verzögerte, erreichten wir den dortigen Anschlussflug nur, weil sich auch dieser verspätete. In München fehlen aber leider zwei Gepäckstücke, die ihren Besitzern gesondert am Folgetag geliefert wurden. Dank unserem Citymobil-Fahrer Sepp mussten wir uns um den weiteren Transfer nicht kümmern und kamen so mit etwas Verspätung am Donnerstagabend gut zuhause an.
Abschließend kann ich sagen, dass die Kombination aus alpinen Herausforderungen, ursprünglicher Natur und den kulturellen Eindrücken der bereisten Länder diese Reise zu einem besonderen Erlebnis machte, das allen Beteiligten lange in Erinnerung bleiben wird.
NETT DORT – waren sie schon mal auf dem Westbalkan oder im schönsten Land der Welt bergsteigen?
Mein Dank gilt allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihre Teilnahme und insbesondere unserem Guide Endrit für die perfekte Durchführung der Touren.
Mit dabei waren: Dani H., Sepp G., Eva und Max R., Wolfgang B., Gerhard R., Werner R., Sonja S. und Guide Endrit S.
Viele Grüße Eure Organisatorin
Sonja Schnellinger





















































