Skitouren auf der Süd-Wiener Hütte 8./9. Februar 2020

Zu zehnt ging’s am Samstag 08.02 um 06.30 Uhr von Haag zum Skitourenwochenende in die Radstädter Tauern.

Bei schönstem Wetter gings staufrei bis zum Parkplatz bei der Gnadenalm (ca 1300 Meter), die direkt neben der Bundesstraße nach Obertauern liegt. Nur gut, dass wir eine halbe Stunde früher losgefahren sind als ursprünglich vorgesehen, so standen auch noch genügend Parkplätze zur Verfügung, die sich jedoch sehr rasch füllten.

Die Bedenken, dass wir die Skier einige Zeit tragen müssten waren zum Glück unberechtigt. Bereits in Radstadt (860 Meter) hatte es ansehnlich Schnee.

Da die Sonne noch nicht den Parkplatz erreichte, war es sehr kalt und wir starteten nach dem obligatorischen Pieps-Test gleich mit dem Anstieg (anscheinend mag der Pieps andere Verschüttungssuchgeräte wie von Mammut, Ortovox usw. nicht so gerne, denn er/es braucht schon ein bisschen, bis der Test erfolgreich abgeschlossen wird). Der Reiseveranstalter wollte erst später weitergehende Informationen (wie aktuelle Lawinensituation, Wetter usw.) zur Verfügung stellen, da wir durch Bewegung erst mal warm werden sollten und die erste Etappe auch problemlos ist.

So gings endlich auf der gewalzten Forststraße einige Zeit fast eben dahin und wir kreuzten einige Male schön präparierte Langlaufloipen. Ab den Hintergnadenalmen (1326 Meter) steilte die Forststraße an und wir konnten endlich Höhenmeter machen. Die Sonnenstrahlen erreichten uns und es wurde deutlich wärmer (wie für diesen Tag vorausgesagt waren in den Tälern morgens Temperaturen im zweistelligen Minusbereich und in den höheren Lagen fast Plusgrade). Der Pulver glänzte und spiegelte, die Bäume trugen noch ihr “Schneekleid”, so war der angenehm zu gehende Aufstieg bis zum Etappenziel sehr schön, jedoch waren wir nicht die Einzigen.

Wir erreichten die Südwiener Hütte (1801 Meter) nach 1 Stunde 40 Min (ca. 500 Höhenmeter und 5 km Länge) . Die Hütte und vor allem deren Terrasse lag voll in der Sonne, so dass erst mal eine ausgiebige Pause eingelegt wurde. Mit Bier, Capo, Skiwasser und Suppe wurden die Flüssigkeitsdefizite ausgeglichen. Wer wollte, konnte bereits seinen Rucksack etwas erleichtern und seine Übernachtungssachen auf der Hütte lassen.

Gegen Mittag gings dann weiter, davor klärte uns der Reiseleiter über das nächste Ziel auf, rezitierte den Lawinenlagebericht und teilte uns die Wettersituation mit. Da wir nun wussten, dass der Himmel strahlend blau war, stiegen wir zur Tour an. Schon nach 20 Metern teilte sich die bereits vorhandene Spur und der Reiseleiter prüfte mit technischer Unterstützung (Wegetrack auf dem Smartphone dies wird wohl bei den FÜL-Lehrgängen sehr ausgiebig trainiert) wo wir weitergehen sollten. Dieses Ritual wurde bei den nächsten Spurenverzweigungen wiederholt. Zumindest die Vorderen der Schlange diskutierten mit, ob links oder rechts gegangen werden sollte (es war ja auch keine geführte Tour sondern eine Gemeinschaftstour, bei der bekanntlich alle Tourenteilnehmer selbständig die Tour durchführen könnten). Spaß beiseite, das Gelände ist sehr kupiert und bei den ersten rund 300 Höhenmetern ist die Orientierung aufgrund der Unübersichtlichkeit des Geländes sehr schwer, vor allem wenn man noch nicht in der Gegend war.

Nach fast einer Stunde war es dann geschafft, wir konnten unser Ziel, Kleiner Pleißlingkeil (2417 Meter), endlich sehen und waren fast schon geschockt, als man die Masse von Menschen auf dem Gipfel sah (wohl an die 30 Leute). Im offenen Gelände änderte sich auch die Schneelage von Pulver auf harten Untergrund und die Felle stollten auf. Es dauerte dann noch fast eine weitere Stunde, bis wir auf dem Gipfel standen. Der Gipfelhang war schon sehr hart und einige von uns legten lieber die Harscheisen an. Am Gipfel (nach 2 Stunden und gut 600 Höhenmetern) waren wir allein und genossen die Aussicht und die verdiente Brotzeit. Das Skigebiet von Obertauern war gut zu sehen, der Dachstein stand in voller Pracht vor uns.

Alles war zur Abfahrt bereit, einige sind schon zum ersten Sattel abgefahren, als der Reiseleiter feststellte, dass seine Bindung nicht einrastete. Es lösten sich schon einige Teile von der Bindung. Diese losen Teile wurden eingesteckt und im einseitigen Telemark gings dann doch noch los. Nach dem ersten “harten” Hang wurde es immer schöner und ein jeder fand noch ein Plätzchen für seine Spur im Pulver. Für einen kurzen Gegenanstieg wurde aufgefellt, bevor es in einer schönen Pulverrinne bis fast zu Hütte ging. Einer machte vor dieser Schlussabfahrt noch den Scheibenkogel (1997 Meter), wo er auf einen unserer Mitgeher traf, der nicht bis ganz zum Hauptziel gegangen war. Der Scheibenkogel bietet eine gute Rundumsicht. Zwei weitere Teilnehmer sind nochmals zu einer Kurztour gestartet, während der Rest die Sonne auf der Hüttenterrasse genossen hat. Insbesondere dank des Tüftlers Peter konnte auch die defekte Bindung wieder behelfsmäßig flott gemacht werden (zum Glück gibts Kabelbinder).

Die Hütte war für das Wochenende vollständig ausgebucht (58 Schlafplätze, davon 6 im neuen Winterraum). Da Sepp bereits die Schlafplätze frühzeitig reserviert hatte, konnten wir unsere beiden 5-Betten Zimmer beziehen. Die Südwiener Hütte wurde Ende der 1920er Jahre erbaut und strahlt auch noch diesen antiken Charme aus. Alles knarrt, die Lager, Zimmer und sanitären Räume sind schon etwas in die Jahre gekommen. Der Gastraum jedoch ist sehr gemütlich. Die Wirtin Tanja ist schon eine etwas eigene Nummer, man kriegt relativ schnell nen Anschiss. So verging der Abend bei einem 3-Gänge Abendessen (ich gebe hier keine Wertung ab) und einigem Bier, Rotwein und Sonstigem recht gemütlich. Vor der Hütte gab es Glühwein beim Lagerfeuer. Durch den Vollmond und den Schnee war es fast taghell, so dass einige nochmals zu einer Nachttour aufbrechen wollten, woran sie jedoch der Wein und das Bier hinderte. Das Hüttenhighlight war die Katze, die im Gastraum auf einem Regal gut 1,70 Meter über dem Boden ihren Schlafplatz hatte und sich vom Lärm des Abends nicht stören ließ.

Ebenfalls am Abend erfolgt die Planung der nächsten Tour. Der Hüttenwirt gab uns noch einige Einschätzungen und Infos.

Der Sonntag startete mit dem Frühstück um 7.30 Uhr. Da anscheinend alle Nächtigungsgäste um die gleiche Zeit frühstücken wollten gab es ein mittleres Chaos. Man musste erst lange am Frühstücksbüffet anstehen, um dann vor leeren Platten/Tellern auf deren Wiederbefüllung zu warten. Mal war der Kaffee alle, dann wieder kein Teewasser vorhanden, und man musste vorsichtig nachfragen, sonst hätte man sich auch gleich einen Rüffel einfangen können. Nun gings ans Räumen der Zimmer und die Bezahlung der Rechnung. Um 9 Uhr waren wir endlich startbereit. Bei blauem Himmel und etwas Wind gings los. Ziel war die Vordere Großwandspitze (2380 Meter) via Hengst (2076 Meter) und Abfahrt vom Gipfel in Richtung Nordost via Wildsee und Bödenalm direkt zum Parkplatz mit einigen Zwischenabfahrten und -aufstiegen. Soweit der Plan für den Tag, in der Karte war keine entsprechende Skitour eingetragen.

Durch die Wegeerkenntnisse des Vortages war der erste Abschnitt der Tour problemlos. Nach dem Hengst (2076 Meter), eine unscheinbare Erhebung, gings bis zum Rand des Pleißlingkessels., Ab hier waren keinerlei Spuren mehr vorhanden. Wir fellten ab und genossen eine 200 Höhenmeter Pulvertraumabfahrt in den Kessel hinunter. Hier unten wars recht frisch und wir fellten schnell wieder auf, um auf der anderen Seite des Kessels wieder aufzusteigen. Es wurde deutlich steiler und wo die Sonne hinkam auch deutlich härter, so legten einige ihre Harscheisen an. Da die Scharte zwischen Vorderer und Hinterer Großwandspitze nochmals deutlich aufsteilt und der Weg bockhart und abgeblasen ausgeschaut hat sind wir etwas nach Norden gequert und versuchten dort den Gipfel zu erreichen. Auf dieser Seite war der Schnee großteils abgeblasen. Es stellte sich die Frage ob wir die Skier auf den Gipfel tragen. Das Gipfelkreuz konnten wir schon sehen, es dürften wohl noch maximal 50 Höhenmeter gewesen sein. Da der Hang auch hier recht steil war, zwischen den Steinen/Felsen harter Schnee bzw. Eis lag, wurde nach einigem Hin und Her entschieden wir fellen ab und fahren ein Stück zurück um dann weiter zu entscheiden. Auch hier waren das Gelände und die vorherrschenden Umstände nicht optimal, ein Aufstieg zum Teil zu Fuß, über Geröll/Fels wäre nicht ganz „Ohne“ gewesen. So wurde entschieden, die Gruppe trennt sich nicht und bleibt zusammen und tritt den Rückweg an oder sucht nach einer anderen Abfahrtsmöglichkeit. Um die geplante Abfahrt durchführen zu können hätte der Gipfel überschritten werden müssen, eine Umgehung des Gipfels war nicht möglich.

Wir hatten Glück, denn eine 3er Gruppe kam gerade von der Hinteren Großwandspitze herab und fuhr in den Pleißlingkessel hinab. Wir fuhren daher in Richtung unserer Aufstiegsspur etwa 300 Höhenmeter im schönsten Pulver hinab. Im Kessel gabs eine Brotzeit und danach fellten wir wieder auf und folgten der Spur der 3er Gruppe. Rund 50 Höhenmeter gings bergauf und wir standen links von der schroffen und steilen Hirschwand. Die nordseitige Abfahrt im steilen Gelände mit sehr gutem Pulver war ein Genuss für ca. 300 Höhenmeter. Da auf der Nordseite viele schroffe Felsabbrüche waren, waren wir um die Skispur schon sehr froh. Es ging zwar deutlich enger und auch steiler durch Baumbestände, aber wir kamen doch gut runter. Dank der 3er Gruppe die sich sichtlich gut auskannte. Der Rest war problemlos, bis zur Forststraße etwas Geschiebe und ab der Hintergnadenalm gings mit Skaten zurück zum Parkplatz. Die Einkehr erfolgte bei der Gnadenalm. Auf der Terrasse genossen wir noch die Sonne, wobei der Wind schon deutlich zu spüren war (für Süddeutschland wurde am Montag Sturm-/Orkanwarnung ausgegeben).

Bis kurz unter dem Gipfel waren wir gut 3 Stunden unterwegs. Gesamt waren wir etwa 5 Stunden auf Tour und haben mit allen Gegenanstiegen etwa 800 Höhenmeter gemacht. Die Heimfahrt war staufrei und wir waren recht zügig zurück in Haag.

Teilnehmer: Albert, Franz, Georg, Hans, Klaus, Martin, Peter R., Peter F., Sepp, Willi